Schreinerei Andreas Wettach ist seit über zwei Jahren im Stadtteil Brühl-Beurbarung

HANDWERK IN BRÜHL-BEURBARUNG

Bei uns muss der Kunde keine Kompromisse eingehen

Schreinermeister Andreas Wettach im Gespräch mit Jürgen Zinnel vom BBBote.

BBBote: Herr Wettach, sie sind heute ein ausgewiesener und erfolgreicher Möbelschreiner. Ihrer Biografie entnehmen wir, dass Sie nach Ihrer Ausbildung zunächst für zwei Jahre bei einem Orgelbauer gearbeitet haben. War diese Erfahrung wichtig für Ihre heutige Tätigkeit?

Andreas Wettach: Durchaus, und zwar unter verschiedenen Gesichtspunkten. Die  1781 gegründete Firma Orgelbau Wolfram Stützle (vormals Anton Keine) ist ein Traditionsbetrieb, der seit jeher Wert auf handwerklichen Orgelbau legt, und das fast ohne Zuliefererteile. Im Orgelbau kommt es auf äußerste Genauigkeit an, die teilweise im Bereich von etwa einem zehntel Millimeter liegt. Insgesamt benötigt man für den Bau einer Orgel zwischen einem halben bis zu etwa einem Jahr. Es müssen viele unterschiedliche komplexe Teile hergestellt werden, die beim Orgelspiel zusammenwirken müssen. Für den ersten Test, ob alles richtig und präzise hergestellt und auch richtig montiert wurde, muss man mindestens drei bis sechs Monate warten. So lange dauert es nämlich in der Regel nach dem Baubeginn, bis auf einer Orgel der erste Ton erklingt. Was man beim Orgelbau kennenlernen kann, sind Grenzbereiche bei der Fertigung mechanisch beweglicher Teile aus Holz, aber auch Geduld und höchste Genauigkeit nicht nur als einzelner, sondern vor allem im Team.

Darüber hinaus habe ich natürlich als Musiker eine besondere Beziehung zu Musikinstrumenten: Ich spiele Tuba im Posaunenchor und im Südbadischen Blechbläserensemble. Musik ist für mich ein wichtiger Ausgleich zur Arbeit, wo ich auch einmal die täglichen Aufgaben vergessen kann.

BBBote: Nach ihrer Meisterprüfung haben Sie sich selbstständig gemacht. Sie haben, anstatt einen Betrieb zu übernehmen, einen neuen gegründet. Die Anzahl der Betriebe im Schreinerhandwerk ist doch seit Jahren rückläufig und die Investitionen für die Gründung im Schreinerhandwerk sind gewaltig. Wieso sind sie in dieses Risiko gegangen?

Andreas Wettach: Wichtig war mir die Freiheit, meinen eigenen Stil als Möbelschreiner zu entwickeln und zu verfeinern. Von Anfang an war es für mich klar, dass das am besten geht, wenn ich selbstständig bin. Ich hatte das Glück, dass ich in den ersten drei Jahren meiner Selbstständigkeit eine bereits ausgestattete Werkstatt im Stühlinger mieten konnte. So habe ich mir in dieser Zeit meinen eigenen Kundenstamm aufgebaut und gleichzeitig die Voraussetzung geschaffen, nach drei Jahren in eine eigene Werkstatt investieren zu können. Für diesen Schritt benötigt man schon ein Investitionsvolumen im Bereich um einhunderttausend Euro.

Blick in die Werkstatt der Schreinerei Andreas Wettach

BBBote: Wie würden Sie denn Ihren Stil als Möbelschreiner beschreiben?

Andreas Wettach: Die Kunden bekommen bei mir zeitlose, schlichte Möbel, die gleichzeitig modern gestaltet sind. Wichtig ist mir auch der Sinn fürs Detail. Auch große Möbel können somit filigran wirken, kleine pfiffig. Nach Möglichkeit verwende ich gerne Materialien, die aktuell und modern sind, ohne dabei nur eine reine Modeerscheinung zu sein. Allzu Modisches verliert schnell seinen Reiz und wirkt deplatziert.

BBBote: Warum kommen die Kunden zu Ihnen und gehen nicht ins Möbelgeschäft?

Andreas Wettach: Den Kunden ist wichtig, dass sie eigene Vorstellungen umsetzen können. Das ist natürlich ein Prozess: Von der ersten Idee bis zur Umsetzung mache ich dann oft mehrere Entwürfe. Da arbeitet man mit dem Kunden gemeinsam an Lösungen und Ausführungsdetails, mit denen sie sich am Ende wirklich identifizieren können. Im Gegensatz zum Möbelgeschäft müssen die Kunden bei mir keine Kompromisse eingehen. Alles was im Möbelschreinerhandwerk möglich ist, können  wir dem Kunden bieten. Da wir neben Möbeln alle klassischen Schreinerarbeiten ausführen und zusammen mit unseren Partnern auch Komplettsanierungen anbieten, bekommt der Kunde bei uns zudem alles aus einer Hand.

Schreinermeister Andreas Wettach und sein Geselle Clemens Ehmcke.

BBBote: Wieviel Mitarbeiter beschäftigen Sie?

Andreas Wettach: Neben mir noch einen Gesellen, den ich selbst ausgebildet habe. Bei größeren Aufträgen unterstützt uns eine weitere Fachkraft, so dass wir in der Regel mit 2,5 Mitarbeitern tätig sind. Ab Herbst kommt ein neuer Lehrling dazu.

BBBote: Seit über zwei Jahren befindet sich ihre Werkstatt im Stadtteil Brühl-Beurbarung. Wie würden Sie den Stadtteil charakterisieren?

Andreas Wettach: Hier gibt es einige interessante Geschäfte und Betriebe. Schade finde ich, dass der Stadtteil geprägt ist vom Durchgangsverkehr. Das liegt auch vielleicht daran, dass kein eigentliches Zentrum vorhanden und der Stadtteil nicht klar begrenzt ist. Der langjährige Niedergang des Güterbahnhof-Areals ist nun wohl eine große Chance: Durch die ersten vollzogenen und die weiterhin geplanten Baumaßnahmen am Güterbahnhof Nord verspreche ich mir, dass ein neues Zentrum entsteht und der Stadtteil damit insgesamt einen Aufschwung nimmt. Das sanierte Verwaltungsgebäude mit dem neu gestalteten Platz ist ein vielversprechender Anfang. Für die Zukunft der Brühl-Beurbarung bin ich daher sehr zuversichtlich.

BBBote: Herr Wettach, wir danken Ihnen für dieses Gespräch und wünschen Ihnen für die Zukunft weiterhin viel Erfolg!

Jürgen Zinnel

 Andreas Wettach (33 Jahre) ist in Emmendingen in einer evangelischen Pfarrersfamilie aufgewachsen. Nach der Lehrzeit in der Schreinerei Volz hat er 2002 seine Gesellenprüfung absolviert, noch ein weiteres Jahr im Lehrbetrieb gearbeitet und anschließend zwei Jahre lang bei Orgelbau Stützle in Waldkirch weitere Erfahrungen in seinem Beruf gesammelt. Ab 2005 besuchte er für zwei Jahre die Meisterschule in Freiburg. 2006 hat er die Meisterprüfung im Schreinerhandwerk mit dem besten Meisterstück im Kammerbezirk Freiburg erfolgreich abgelegt und sich 2007 den Titel Betriebswirt im Handwerk erworben.

Im September 2007 wurde die Schreinerei Andreas Wettach gegründet. Nach dem Start in der kleinen Werkstätte im Stühlinger wurde im September 2008 der erste Auszubildende eingestellt. Im April 2010 erfolgte der Umzug in die Werkstatt der früheren Wagnerei/Holzbearbeitung Franz Schweitzer im Stadtteil Brühl-Beurbarung, wo eine moderne Möbelschreinerei eingerichtet werden konnte. Andreas Wettach ist seit 2006 mit seiner Frau Ute verheiratet. Das Paar hat zwei Töchter.          

Hier der Artikel als JPEG zum näher Anschauen und Ausdrucken: Teil 1 und Teil 2
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