„Bud’s Bikes“ – der Fahrradladen mit ökologischem Knowhow

Zu den Betrieben in unserem Stadtteil, die sich durch Geschäftssinn, Einfallsreichtum und Innovation auszeichnen, zählt ohne Zweifel „Bud’s Bikes“ in der Lagerhausstr. 19 auf dem alten Güterbahnhof.

Buds BikesDie Inhaber von „Bud’s Bikes“, Tobias R. Buderer – der Geschäftsname leitet sich aus seinem Spitznamen ab, dem ihn Freunde schon zu Schulzeiten gaben – und seine Frau Ivonne Buderer-Hidalgo, entwickelten vor bald zehn Jahren die Idee, einen Fahrradladen zu eröffnen, der dem Prinzip der Ressourcennutzung verpflichtet ist. Da sie beide damals ohne Anstellung waren, bewarben sie sich infolge der Arbeitsmarktreformen der rot-grünen Bundesregierung erfolgreich um einen Existenzgründungszuschuss der Arbeitsagentur. Ab Juni 2004 zunächst in der Türkenlouisstraße in der Wiehre beheimatet, bezog „Bud’s Bikes“ nur  ein Jahr später  seine Geschäftsräume auf dem Güterbahnhofgelände.

In dem bislang einzig zertifizierten Fachentsorgungsbetrieb seiner Art werden ca. 30% der abgegebenen Fahrräder wieder instand gesetzt, während die übrigen fachmännisch zerlegt werden. Auf diese Weise werden zum einen Ersatzteile für Reparaturen beschafft, zum anderen betreibt „Bud’s Bikes“ in großem Umfang Rohstoffrecycling, das für Müllvermeidung und Nachhaltigkeit sorgt. Außerdem unterstützt der Betrieb seit einigen Jahren den „Eritreischen Kulturverein Stuttgart-Vaihingen e. V.“ und dessen Projekt. So wurden per Schiffscontainer nicht nur Kleidung, sondern bislang rund 1.000 Fahrräder nach Ostafrika versandt. Diese Fahrräder, die einer aufwendigen Reparatur bedürfen, werden von einer Werkstatt in der Hauptstadt Asmara wieder flott gemacht. Dieses beachtliche Engagement stößt nun zunehmend auf Resonanz und findet Anerkennung. Im Frühjahr diesen Jahres wurden „Bud’s Bikes“ bei der Verleihung des mit insgesamt 11.000 € dotierten Klimaschutzpreises „Climate First“ der Stadt Freiburg mit dem 2. Platz ausgezeichnet.

Nachdem die Buderers zunächst alleine das Geschäft aufgebaut hatten, haben sie in der Zwischenzeit zwei Mitarbeiter eingestellt, einen Fahrradmechaniker und einen Fahrer. Außerdem wurde Tobias Buderer im vergangenen Jahr die Genehmigung erteilt, Lehrkräfte in dem Beruf des Zweiradmechanikers auszubilden. Unlängst wurden ihm in einer mehrstündigen Arbeitskontrolle von einem Obmann der Handwerkskammer meistergleiche Kenntnisse bescheinigt, so dass er die persönlichen Voraussetzungen zur Eintragung in die Handwerksrolle erfüllte.

Auch wenn die Belastungen für Gewerbetreibende in kleineren Betrieben durch Löhne, Steuern und Sozialabgaben sehr hoch sind, so bereuen Ivonne Buderer-Hidalgo und ihr Mann Tobias den Gang in die Selbstständigkeit keine Sekunde. Sie betonen, wie sehr nach der Phase der Arbeitslosigkeit die Verwirklichung eines Lebenstraumes, nämlich mit ihrer Tätigkeit einen Beitrag zu sozialer Arbeit und zum Klimaschutz zu leisten, ihr Selbstwertgefühl gesteigert habe.

Dennoch steht der nächste Umzug unmittelbar bevor. Im Zuge der Veränderungen auf dem Güterbahnhofsareal wird demnächst ihre bisherige Bleibe abgerissen, um einem Neubau zu weichen. Ab 1. Oktober werden dann alle Interessierten, die ein Alt- oder Gebrauchtrad entsorgen, reparieren lassen oder selbiges für kleines Geld erwerben wollen, „Bud’s Bikes“ in der Liebigstraße 7 antreffen.

 Buds Bikes Liebigstr. 7

Tobias Buderer, Jahrgang 1969, wurde im Berliner Stadtteil Wilmersdorf geboren und wuchs in Freiburg auf, nachdem sein Vater, ein Bahnbeamter, seine Arbeitsstelle gewechselt hatte. Nach seinem Abschluss in der hiesigen Waldorfschule traf er die Entscheidung, sich zum Koch ausbilden zu lassen. Seine Lehre nahm er im Hotel „Novotel“ auf und beendete sie in Frankreich. Anschließend kehrte er in heimatliche Gefilde zurück und stellte sein technisches und praktisches Geschick durch die Ausübung von Hausmeistertätigkeiten unter Beweis.

Ivonne Buderer-Hidalgo, die aus Chile stammt, empfand bei ihrem ersten Deutschlandaufenthalt als Austauschschülerin in Nürnberg das Wetter als sehr gewöhnungsbedürftig. Als sie einige Jahre später zu Besuch in Freiburg weilte, verliebte sie sich auf Anhieb in Stadt und Region, so dass sie entschied, hier sesshaft zu werden. Ivonne Buderer-Hidalgo und Tobias Buderer sind seit 2002 verheiratet und haben zwei Söhne. Maximiliano, 20, beginnt in Kürze seine Ausbildung zum Fahrradmechaniker im elterlichen Betrieb und Keanu, 6, wurde vor wenigen Tagen eingeschult.

Alexander Bangert

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Handwerk im Stadtteil abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s